Hey Sonne,
vor einiger Zeit hat mich das Thema „Kommunikation und Konflikte in agilen Teams“ umgetrieben. Eine Kollegin hatte mir das Buch „Soft Skills für Softwareentwickler“ empfohlen. Diese Empfehlung bin ich jetzt gefolgt. Her mit den Impulsen!
Grundsätzlich wird solides Basiswissen zu Kommunikation und Konflikten vermittelt (z.B. Kommunikationskanäle nach Thun). Sehr gut haben mir die Führungs-Tipps bezüglich den unterschiedlichen Mitarbeiter(stereo)typen gefallen! Und man erhält einen guten Eindruck zu den „Schmerzen“ in einer IT-Abteilung, zum Beispiel, wenn kaum abgestimmten Anforderungen von vielen Seiten kommen.
Teilweise haben die Ausführungen im Buch den Hang zum Banalen: erfolgreiche Kommunikation kann durch gute Vorbereitung erreicht werden, man soll seinen Gesprächspartner nicht lächerlich machen und es lohnt sich, Einwände zu würdigen. Bei solchen Textpassagen frage ich mich, welches Bild die Autoren grundsätzlich von Softwareentwickler/innen haben.
Meine Fundamentalkritik bezieht sich auf die ausschließlich theoretische Aufarbeitung der Themen. Selbst die Beispiele sind konstruiert!
Doch lass uns zuerst auf die positiven Impulse des Buches schauen, was konnte ich mitnehmen!
- Der Kommunikationsvorgang unterliegt immer einem Filterprozess! Bei jedem Transfer bleibt „was auf der Strecke“, insbesondere, wenn wir in Fremdsprachen kommunizieren.
- Bei Konfliktgesprächen laufen wir durchaus Gefahr, den anderen in die Rechtfertigung zu treiben, was kontraproduktiv ist. Durch Vermeidung der „Warum“-Frage kann das Rechtfertigungsrisiko vermindert werden. Ich werde es ausprobieren!
- Bei unkorrektem Feedback beschäftig sich die Person, welche dieses „Geschenk“ erhalten hat, nicht mit dem Inhalt vom Feedback, sondern mit ihrem Gefühl darauf. Für mich ein AHA-Impuls für mehr Achtsamkeit auf die Reaktionen meiner Mitmenschen und auch von mir im Feedbackprozess.
- Drama-Dreieck („Verfolger“ – „Retter“ – „Opfer“): Auch „Retter“ drängen „Opfer“ in ihre Rolle, da „Retter“ glauben, dass die „Opfer“ ihre Herausforderungen nicht aus eigener Kraft schaffen können. Daher sollte man den eigenen „Retter“-Impuls kritisch reflektieren!
Wie komm ich zu meiner Kritik „ausschließlich theoretische Ausarbeitung“? Warum scheinen mit die Autoren zu abstrakt vorzugehen? Hier drei Beispiele:
Ich bin über die „Stakeholder-Elicitation“ gestolpert.
Nach Vigenschow u.a. benötige ich für eine Projektumfeldanalyse eine vollständige Liste aller Stakeholder, welche ich gruppiere – visualisiere – priorisiere. Dann identifiziere ich ihre Interessen und Ziele und überlege mir zu jeder Gruppe eine geeignete Kooperationsstrategie. Und diese passe ich dann immer wieder während des Projektverlaufes an.
Vielleicht unterschätze ich die Wirkung einer solchen Erhebung, aber mir scheint es echt zu aufwendig. Ob es dadurch einen spürbaren Mehrwert gibt – ich bezweifle das!
Weiterhin habe ich mich mit der „6-Stufen-Fragetechnik“ meine Herausforderung gehabt.
Ansatz => um den Informationsverlust während der Kommunikation zu verringern werden folgende Punkte durch einen Fragebogen geklärt:
1. Überprüfung der Prozesswörter
2. Prüfung von Vergleichen oder Steigerungen
3. Identifizierung und Hinterfragung von Universalangaben
4. Bedingungen auf Vollständigkeit überprüfen
5. Definition von relevanten Wörtern in einem Glossar
6. Abkürzungen und Fachbegriffe im Glossar definieren
Viel zu sperrig und in keiner Weise intuitiv für gelungene Kommunikation! Die Herausforderung: theoretisch macht das bestimmt Sinn, aber wie soll man diese Vorgehensweise in der Praxis charmant umsetzen?
Verwundert war ich auch, wie theoretisch Konfliktgespräche dargestellt wurden. Klar ist es toll, wenn ich diese Gespräche gründlich planen kann. Selbstverständlich ist es super, wenn solche Situationen ruhig und emotional kontrolliert stattfinden. Doch wenn alles so einfach wäre, hätten wir wohl eher ein Verhandlungs- denn ein Konfliktgespräch!
Mit der reinen Lektüre dieses Buches ist es in meinen Augen nicht getan. Es kann nur ein Anreiz sein, sich durch Seminare und Coaching Themen wie Kommunikation, Konflikte, aber auch Moderation oder Mediation zu nähern! Grundsätzlich ist auch zu überdenken, ob die rein männliche Form im Buchtitel noch zeitgemäß ist…
Daher: mit der Lektüre kann man sich dem Thema „Kommunikation“ nähern. Und es bleibt bei der Aufforderung: „Gehen Sie zum Äußersten – sprechen Sie miteinander!“. In dem Sinne, take care! Romy
![Soft Skills für Softwareentwickler: Fragetechniken, Konfliktmanagement, Kommunikationstypen und -modelle von [Vigenschow, Uwe, Schneider, Björn, Meyrose, Ines]](https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/41v0L2GqHtL.jpg)








