Hey Sonne,
echt nicht – das Buch ist das Papier nicht wert. Meine Einschätzung: hier wollen viele Coaches wichtig sein und schreiben zu Banalitäten wie „wir malen auf einen Flipchart“ seitenlange Abhandlungen. Zu allem Überfluss kommen auch ständig die gleichen Inhalte mit anderen Worte daher. Geht echt gar nicht…
Bevor ich das Buch resigniert ins Recycling gebe, gerne noch ein paar Details. Der Herausgeber Rauen gliedert die Methodensammlung verschiedenster Coaches in fünf Phasen: Kennenlernen, inhaltliche Orientierung, Analyse, Veränderungsphase und Abschluss. Unter dieser Gliederung können die Autoren mächtig Werbung für ihr eigenes Arbeiten machen. Vielmehr ist es meist nicht.
Ich bin irritiert, dass in fast jeder Methode angeregt wird, dass der Coach doch Lösungsvorschläge dem Klienten anbieten soll. Seit wann basiert Coaching auf Ratschläge? Für mich ist die Lösung von außen ein Merkmal von Beratung. Eine Definition von Coaching und die Abgrenzung zur Beratung sucht man allerdings vergeblich in dem Buch.
Ebenfalls komm ich mit der starken kognitiven Ausrichtung der meisten Tools nicht zurecht. Der Klient hat meines Erachtens meist keine Herausforderung damit, sich intellektuell mit dem Problem und den möglichen Lösungen auseinanderzusetzen. Coaching ist dann notwendig, wenn der Mensch nicht in die Umsetzung gehen kann, wenn der erste Schritt zu schwierig erscheint, die inneren Blockaden zu groß sind. Da benötigen wir die Arbeit mit unseren Bedürfnissen, Ängsten und Wünschen, um tatsächlich zu wachsen und ins tun zu kommen. Und nicht die „verkopfte“ Arbeit.
Vielleicht habe ich durch meine Ausbildung zum systemischen Coach auch eine zu klare Vorstellung, was ein „gutes Coaching“ ist. Schon alleine zum Abschluss eine Aufgabenliste erstellen zu lassen – mit allen Zielen, Strategien, Maßnahmen und beteiligten Personen – widerstrebt mir. Ist nicht die Erweiterung des eigenen Horizonts, die innere Klarheit für die kommenden Schritte und die tiefe Ruhe durch die aktivierten Ressourcen das eigentliche Ergebnis, welches uns jegliche Ziele erreichen lässt?! Wie gesagt, wenn es nur die Auflistung der kommenden Aktionen wäre – dazu braucht es wahrscheinlich eher eine Beratung als ein Coaching. Kann ich übrigens auch… 😉
Nachdem ich jetzt meinen Frust zu diesem Buch abgelassen habe, möchte ich eine konkrete Methode aus dem Buch mit Dir teilen, die ich mich dann doch begeistert:
die „15er-Liste“ (Autoren: Böning, Fritschle-Böning, Oefner.Py).
Diese Methode wird genutzt, um die Werte der Keyplayer im Unternehmen mit den „offiziellen“ Unternehmenswerten abzugleichen. Im Ergebnis wird ein Zusammenhang zwischen den individuellen Entwicklungen und der Gestaltung von Veränderungsprozessen im Unternehmen hergestellt. Dadurch kann die Transformation von Unternehmen wesentlich zielgerichteter umgesetzt werden. Randnotiz: wegen der Methode brauchst Du das Buch nicht – sprich mich an, wir gehen in die Umsetzung!
Ich wünsche Dir einen wunderbaren Tag! Deine Romy








