Heute habe ich mit viel Freude das Buch von Ulrike Reiche zu Ende gelesen. Ulrike und ich haben uns letztes Jahr auf unserem Community Workshop zu „Radikal Arbeiten“ kennengelernt. Ich habe ganz neugierig und begeistert ihre dortige Session verfolgt. Ulrike hat eine wunderbare Art auf Menschen zuzugehen!
In ihrem Buch „Slow Work Slow Life” widmet sie sich der Frage, wie wir dauerhaft und nachhaltig leistungsfähig, wenn nicht gar lebensfähig bleiben können. Ulrike legt den Fokus dabei nicht nur auf die Arbeitswelt, sondern auch auf das private Umfeld. Ihr Buch ist dabei eher ein Arbeitsbuch und weniger eine theoretische Abhandlung. Es gibt viele Reflexionsfragen und Impulse, die dazu anregen, sich mit der eigenen Situation auseinander zu setzen.
Neu war für mich die Definition von Identität nach H. G. Petzold, welche Ulrike aufgreift. Nach Petzold ist Identität = Körper und Gesundheit + materielle Sicherheit + Arbeit und Leistung + soziales Netz + Normen und Werte. Ulrike stellt diese Gleichung um und findet folgendes Bild:
Die Schlussfolgerung: wir können uns zwar unsere Persönlichkeit nicht aussuchen, aber eine innere Haltung entwickeln. Unsere Identität ist kein statischer Zustand, sondern ein lebenslanger Prozess. Wir brauchen Zeit und den Raum für Lernen, um mit äußeren und inneren Veränderungen umzugehen.
Mit dieser Basis geht Ulrike auf den Einfluss der einzelnen Faktoren ein: Familienbiografie, körperliche Gesundheit, soziales Umfeld usw.
Final plädiert Ulrike für den 6-Stunden-Tag, was ich übrigens komplett fühle 😊. Mit diesem Ansatz kann die Produktivität und Effizienz erhöht werden und gleichzeitig die Krankenquote gesenkt.
Liebe Ulrike, ich danke Dir ganz herzlich für diese Impulse und die Inspiration!
an diesem Buch habe ich fast ein Jahr gelesen. Es wurde mir von Menschen empfohlen, welche agiles Projektmanagement lehren und leben. Aber ehrlich, ich bin damit einfach nicht warm geworden. Wie sich diese Autoren die ganze Zeit selbst feiern – unglaublich.
Lass uns eintauchen. Als erste analysieren die Autoren den Status Quo in Unternehmen: die Beschleunigung, den Preisdruck, die Versorgungsmentalität von Arbeitnehmer:innen.
Beim letzten Punkt teilen die Gloger und Rösner ordentlich gegen junge Menschen aus. Diese „neue Generation weiß vom harten Alltag nichts“ (S. 12). Aha. Diese neue Generation muss mit steigenden Schulden, einer unsicherer Altersversorge, einer fortschreitenden Klimakrise und die Bedrohung von Frieden in Europa umgehen und erfahren hier wirklich wenig Wertschätzung. Zauberhaft.
Ansonsten halten sich die Autoren mit Selbstverständlichkeiten auf, z.B. dass lebenserfahrene Menschen irgendwann in den Ruhestand gehen. Oder auch, dass Organisationen dazu da sind, um die Probleme ihrer Kund:innen zu lösen. Gut, wenn wir das endlich mal gesagt bekommen.
Doch gut, lass uns zum Inhalt zurückkommen.
Selbstorganisation benötigt nach Gloger und Rösner folgende 5 Voraussetzungen:
Eine existenzielle Aufgabe
Anpassungsdruck
Eigene Anpassungsbereitschaft
Installation von Strukturen
Integration der Anpassungen in die Systemrealität
Und damit benötigt Selbstorganisation vor allem Lernbereitschaft. Nicht neu, aber immer wieder wichtig.
Auf den nächsten Seiten feiern die Autoren dann vor allem sich selbst. So eine hohe Egozentrierung habe ich noch in keinem anderen Sachbuch gelesen. Wer wissen möchte, wie man Kinder richtig erzieht, ordentlich mit Pferden umgeht und warum Gloger und Rösner die perfekte Führungskräfte sind, der findet hier Antworten.
Dabei finde ich tatsächlich einige beschriebene Ansätze nicht richtig. Die Autoren sind stolz darauf, dass bei Ihnen neue Mitarbeitende jede Hilfe bekommen, die sie fordern; doch wenn sie nichts fordern, dann bekommen sie nichts. (S. 84) Ich empfinde die Haltung zynische und nicht fortschrittlich. Psychologische Sicherheit, welche uns offene reden lässt, muss sich erstmal entwickeln.
Positiv sehe ich die Ausführungen zum SCRAF-Modell. Dieses Akronym setzt sich aus folgenden Wörtern zusammen:
S = Status: Menschen haben den Wunsch, ihren Status zu erhöhen
C = Gewissheit (Certainty): Menschen wünschen sich Gewissheit über das, was als nächstes passiert
A = Autonomie: Menschen wünsche sich eigene Entscheidungsspielräume
R = Verbundenheit (Relatednee): Menschen wollen in Verbindung sein
F = Fairness: Menschen wünsche sich Gerechtigkeit im Umgang
Die Autoren gehen darauf ein, wie man auf Grundlage des SCARF-Modell führen kann. Da steckt viel Gutes drin! Dabei verweisen sie auf ein wunderbares Zitat, was ich hier mit Dir teilen möchte:
„Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst mir Ratschläge zu geben, hast du nicht getan, worum ich dich gebeten habe. Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören, und du beginnst mir zu erklären, warum ich nicht so fühlen sollte, wie ich es tue, trampelst du auf meinen Gefühlen rum.“ K. Pollach
Leider wird das Buch danach wieder schwach. Ich verstehe diese permanenten Vergleiche von Mitarbeitenden mit Tieren nicht. Ich verstehe nicht, warum die Autoren immer wieder ihre eigenen Biografien seitenlang ausführen. Ich verstehe nicht, wie man mir dieses Buch empfehlen konnte.
Damit ich möchte ich meine Einschätzung zu diesem Werk abschließen. Es gibt so viel großartige Bücher zu agilem Arbeiten, dieses gehört nicht dazu. o_0
In diesem Sinn, pass auf Dich auf und verschwende Deine Zeit nicht mit unterdurchschnittlicher Literatur, Deine Romy
ich habe Rosi vor kurzem bei einem Workshop kennengelernt. Eine wunderbare Frau! Sie erklärte mir, dass Sie vor einiger Zeit auf der Suche nach den Basiselementen von New Work war und dazu keine klare und komprimierte Literatur finden konnte. Also beschloss sie, selbst ein Buch dazu zu schreiben und hier haben wir das Ergebnis… Ich liebe die Story. Voller Neugierde habe ich ihr Buch „30 Minuten New Work“ gelesen.
Also: die Basiselement von New Work! Rosi orientiert sich an Laloux und sein „Reinventing Organizations“ (eine meiner favorites… hier der Link zu meiner Bucheinschätzung von Laloux). Demnach macht New Work für sie folgendes aus:
I Ganzheitlichkeit: psychologische Sicherheit im Team, eine positive Fehlerkultur und kollegiale Unterstützung im Unternehmen
II Selbststeuerung: Entscheidungen werden von allen über Beratungsprozesse mitgestaltet
III Sinn: Schaffung von Purpose für die Gesellschaft, Raum für intrinsische Motivation
Ich kann die Basiselemente in der Theorie zu 100% unterstützen. In der Realität bin ich an einige Grenzen gestoßen. Wer im Team möchte tatsächlich über Entlassungen entscheiden? Wer möchte entscheiden, dass Kolleg:innen ihren Urlaub verschieben müssen? Wer übernimmt die Verantwortung für schlechte wirtschaftliche Perfomance? Wahrscheinlich sind es eher fachliche Themen, die von allen mitgestaltet werden können.
Hier wird klar: „30 Minuten New Work“ kann Grundlagen schaffen, jedoch nicht alle Vor- und Nachteile sowie detailliert wissenschaftliche Studien diskutieren. Sonst müsste der Titel „30 Stunden New Work“ heißen… 😉
Im weiteren Text geht Rosi auf die Grundpfeiler des agilen Manifests ein. Diese sind:
Menschen und Zusammenarbeit vor Prozess und Werkzeug
Funktionierendes Produkt vor umfassende Dokumentation
Kundenbeziehung und Kooperation vor Vertragsverhandlung
Reaktion auf Veränderungen vor Befolgung von Plänen
Für mich war insbesondere der letzte Teil vom Buch extrem wichtig: New Work in der Praxis. Rosi skizziert unterschiedliche Methoden wie OKRs (Objectives and Key Results), Barcamp und WOL( (Working out loud). Dabei ist mir eingefallen, dass ich das Thema OKRs seit längerem in mein Arbeitsleben holen möchte! Ich habe mich sofort daran gesetzt… Danke, Rosi!
Übrigens: ein wichtiger Schritt im Bereich New Work ist die New Work Charta von Markus Väth. Mit Markus starte ich den Podcast „Radikal Arbeiten“, welchen Du ab Februar auf Deinen Lieblings-Podcast-Apps hören kannst. Übrigens auch mit Rosi im Interview. ❤
heute möchte ich Dir ein Buch vorstellen, welches zu Lesen einfach eine Freude war!
Der Fokus des Buches: Bleib flexibel im Denken und lass mehrere Lösungen zu! Stelle Deinen ersten Impuls in Frage! Dabei schreibt Adam Grant anekdotisch, wissenschaftlich fundiert und kurzweilig.
Lass uns einsteigen 😊!
Bei Konflikten verfallen wir häufig in einer der drei folgenden Verhaltensweisen:
wir verhalten uns wie Prediger:innen -> wir wollen unsere Ideale schützen und propagieren
wir verhalten uns wie Staatsanwält:innen -> wir liefern Argumente, warum sich andere irren
wir verhalten uns wie Politiker:innen -> wir versuchen alles, um andere zu überzeugen
Adam empfiehlt folgende Verhaltensweise:
4. sehe Dich als Wissenschaftler:in -> zweifle an, was Du weißt, und sei neugierig auf alles, was Du nicht weißt Lass uns noch Gründen suchen, warum wir uns irren könnten, statt nach Gründen, warum wir recht haben!
Kleiner Fun Fact: Je intelligenter wir sind, desto eher ordnen wir Menschen Stereotypen zu, weil unser Hirn schneller vermeintliche Muster erkennt. Sehr schlaue Menschen können daher Probleme haben, als Wissenschaftler:innen zu agieren… 😉
Weiter plädiert Adam für ein werteorientiertes Leben. Wer wir sind, sollte sich daran orientieren, was wir wertschätzen. Werte sind die Grundprinzipien für unsere Identität.
Von der Betrachtung des Einzelnen bewegt sich der Autor an dieser Stelle hin zur Gruppe. Adam beleuchtet, wann wir im Team am leistungsstärksten sind.
Aha-Moment für mich: viele Aufgabenkonflikte bringen die Gruppe nach vorne. Harmonie ist kein Treiber, um sehr gute Ergebnisse zu erreichen! Achtung: Die Rede ist hierbei von Aufgabenkonflikten! Das Team sollte sich nicht mit Beziehungskonflikten rumschlagen, denn diese dämpfen den Outcome. Wie können wir sicherstellen, dass Aufgabenkonflikte nicht in Beziehungskonflikte umschlagen? Adam schlägt vor, einfach folgende Frage an den Anfang zu stellen: „Können wir debattieren?“ (Ich werde das auf jeden Fall ausprobieren!)
Für das Debattieren kommen noch folgende Hinweise:
In Verhandlungen verwässern schwache Argumente die starken Argumente. Also eher auf wenige, aber starke Gründe für die eigene Position bauen!
Auseinandersetzungen nicht als Krieg, sondern als Tanz sehen, in dem man auch Schritte zu Seite machen kann.
Gelassenheit ist ein Zeichen der Stärke!
Wenn Menschen die Chance haben, sich laut zu äußern, entdecken sie oft neue Gedanken. Diesen Weg kann man durch emphatisches und aufmerksames Zuhören unterstützen.
Der folgende Teil des Buches beschäftigt sich mit dem flexiblen Lernen. Wie können wir uns aktiv und neugierig neues Wissen aneignen? Adame stellt die Methode des Entdeckens vor. Der Ablauf:
Das Problem wird präsentiert.
Jede Person sammelt dazu allein Gedanken.
Es werden kleine Gruppen gebildet, die ihre Ideen zusammenführen und überarbeiten.
Die Lösungen werden präsentiert.
Am Ende müssen mindestens vier Versionen da sein, wie man das ursprüngliche Problem lösen möchte.
Durch diesen Prozess sollen eigene Standards und Überzeugungen überdacht werden. Die Teilnehmenden werden offenen für alternative Lösungen.
Am Ende geht Adam aus dem Businessbereich in den privaten Bereich rein. Er schlägt Check-Ups auch für Partner:innen und andere nahestehende Personen vor. Was sind Check-Ups? Die Überlegung, ob sich unsere Erwartungen gegenüber diesem Menschen, den Job, der Situation… geändert haben. Zum Beispiel weil wir neue Informationen erhalten haben. Durch die Check-Ups aktualisieren wir unsere Vorstellungen davon, wer unser:e Partner:in ist. Damit geben wir diesem Menschen die Freiheit, sich weiterzuentwickeln, und unsere Beziehung hat den Raum, zu wachsen. Damit der Satz „Du hast Dich verändert!“ nicht mehr als Vorwurf in der Luft hängt, sondern damit Entwicklung gewürdigt wird.
Insgesamt ist das Buch „Think Again“ sehr kurzweilig. Natürlich sind die meisten Gedanken und Ansätze nicht neu. Und doch ist es wichtig, immer wieder zu reflektieren, ob wir unser Wissen auch praktisch umsetzen oder nur theoretisch im Hirn horten.
Damit wünsche ich Dir einen wunderbaren Start in das neue Jahr! Bleib neugierig! Deine Romy
anbei stelle ich Dir eine meiner Sommer-Urlaubslektüren vor. Was man so am Strand liest… Ich hatte vor einigen Jahren von Dittmar „Gefühle & Emotionen“ gelesen. Das Buch hatte mir richtig gut gefallen (mein Blogbeitrag hier) und daher dachte ich mir, ich mach mit der Autorin mal weiter.
Ich muss Dir allerdings sagen, dass dieses Buch hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Es ist in Ordnung, aber nicht so augenöffnend wie erste Buch.
Worum geht es beim emotionalen Rucksack?
Der Rucksack steht bildlich für unsere Möglichkeit, Emotionen, welche wir nicht fühlen wollen, „wegzupacken“. Wir lenken uns ab, kompensieren die negativen Emotionen oder betäuben sie. Dabei verschwinden die Emotionen nicht, sondern werden nur „verstaut“, dass wir sie nicht mehr sehen bzw. wahrnehmen.
Dabei ist das „Wegpacken“ von Emotionen nicht per se schlecht. Es hilft uns, trotz Verletzungen und einschneidenden Erlebnissen weiterzulaufen. Allerdings kann es dazu kommen, dass sich der Rucksack aus Versehen selbst „entlädt“.
Wir erkennen diese ungesteuerte Entladung, wenn uns in einer Situation die Gefühle komplett übermannen und die emotionale Steuerung versagt. Wir können in diesem Moment nicht angemessen auf die Situation reagieren.
Wie können wir mit diesem emotionalen Rucksack arbeiten?
Dittmar regt an, dass wir uns bewusst unseren emotionalen Altlasten zuwenden und den Rucksack mit klarer Absicht „entpacken“. Dadurch reduzieren wir die ungesteuerten Entladungen.
Ein interessanter Input der Autorin ist der Gedanke, dass emotionale Heilung Anteilnahme braucht. Negative Emotionen können zwar allein betrachtet werden. Um jedoch das Erlebte vollständig verarbeiten zu können, braucht es das Mitteilen gegenüber einem anderen Menschen.
Diese Idee verfolgt nicht nur Dittmar. Ein Freund erklärte mit vor kurzem einen ähnlichen Ansatz, nach dem man sich bewusst mit einer anderen Person zusammensetzt und klar ausspricht, was man denkt, was man fühlt, wie das körperliche Befinden ist. So lernt man, seine Bedürfnisse besser zu artikulieren. Insbesondere für überangepasste Menschen eine spannende Übung.
Zurück zu unserem emotionalen Rucksack. Wir brauchen also einen Menschen, der Anteilnahme nimmt an dem, was wir erzählen. Was wir nicht brauchen, ist Beschwichtigung, Bestärkung, Aufmunterung, Ratschläge oder ähnliche Strategien. Einfach da sein.
Wie läuft diese aktive Entladung ab?
Dittmar beschreibt 4 Schritte, um den Rucksack „auszupacken“:
Ich finde Zugang zu den negativen Emotionen, in dem ich mich an die Situation erinnere, die diese ausgelöst hat.
Ich verbinde mich mit den Gefühlen, gehe zum Beispiel komplett in die Wut oder Angst rein.
Ich spreche einfach alles aus, was mir in den Kopf kommt, ohne auf Reihenfolge und Logik zu achten.
Ich lasse alle körperlichen Reaktionen, (Tränen, Lachen usw.) zu.
Liest sich einfacher, als es ist. Wenn Du Dich schon mit innerer Arbeit befasst hast, weiß Du, wie anstrengend es sein kann…
Was hilft uns, die Entladung zuzulassen?
Die Autorin empfiehlt folgenden Rahmen:
Definiere die Rollen -> Wer schaut sich seine Emotionen an, wer schenkt Mitgefühl?
Setze einen klaren Zeitrahmen
Sichere Dir die besondere Vertraulichkeit dieses Settings ab
Sorge für einen ungestörten Raum
Hinweis: die Praxis des Entladens musst Du nicht automatisch mit der/dem eigenen Partnerin/ Partner umsetzen. Es kann sich auch ein Mensch eignen, der uns nicht so nah steht und daher nicht in die Situation mit reingezogen wird.
So, damit sind wir durch mit dem Buch…
Ich finde diese Möglichkeit, sich seinen inneren Verletzungen in dieser Art und Weise zu widmen, sinnvoll. „Heilung beginnt in dem Augenblick, in dem Du die Verletzung annimmst.“
anbei ein paar Notizen zu meiner Urlaubslektüre „How to own the Room“ von Viv Groskop. Dieses Buch ist von einer Frau über Frauen für Frauen. „Aufmerksamkeit wird Dir nicht geschenkt, Du musst sie Dir nehmen.“ Let´s go!
In dem Buch geht es darum, eine mitreisende Rede halten zu könne. Dabei ist die Idee von Groskop nicht etwa, eine detaillierte Anleitung über Atemtechnik, Sprechtempo und Körperhaltung zu geben – obwohl sie durchaus Hinweise dazu gibt.
Vielmehr möchte sie die Leserin inspirieren, ihren eigenen Weg und ihre eigene Art zu finden, Vorträge zu halten. Hierfür geht sie auf unterschiedliche, durchaus auch kontrovers diskutierte Frauen ein und beleuchtet, wie diese ihre ganz eigene Magie entwickelt haben.
Eine Rede, die wichtig und bewegend ist, kommt von Oprah Winfrey („Their time´s up“) ein. Die Autorin geht auf die Bühnenpräsenz von Oprah sowie ihr ruhiges Sprechtempo ein und analysiert diesen Auftritt bis ins Detail.
Auch auf den Auftritt von Chimamanda Ngozi Adichie („We should all be feminists“) bei den TEDTalks geht Groskop mit ganz viel Detailliebe rein. Interessant bei diesem Auftritt ist, unter anderem, dass Adichie ihre Rede abliest, entgegen so vielen Ratgebern, die freies Sprechen propagieren. Zudem weiß sie die Pausen mit großer Präzession zu setzen.
Diese zwei Vorträge sind hier nur beispielhaft genannt, um aufzuzeigen, wie brillante und authentische Reden aussehen können.
Es macht in jedem Fall viel Spaß, mit Groskop auf die Reise zu gehen und zu schauen, wie unterschiedlichste Frauen mit unterschiedlichsten Auftritten den Raum beherrschen. Danke dafür!
als ich dieses Buch geschenkt bekommen habe, war ich verwundert und habe nachgefragt, was die Idee dahinter war. Die Antwort: „Ich dachte, Du magst so politische Sachen…“ Das Buch scheint also eine politische Sache zu sein. Also her damit!
Grundtenor des Buches: unsere Leitmedien arbeiten nicht mehr qualitativ. Wobei leider nicht definiert wird, was unsere Leitmedien sind. Diese Auslegung wird dem Lesenden überlassen. Schade, eine Klarheit hierzu würde der Diskussion guttun.
„Die Vierte Gewalt“ startet mit dem Ukraine-Krieg. Hier kritisieren die Autoren, dass die deutschen Leitmedien sich ausschließlich an der Regierungspolitik orientieren. Sie teilen die Gesellschaft in die Guten (für die Ukraine) und den Bösen (für Russland). Ein Graubereich zwischen den Polen gibt laut Autoren nicht.
Dazu meine Überlegungen:
Ich erlebe sehr viel Diskussion um die „richtige“ Position in unserer Gesellschaft und in unseren Medien, insbesondere in seriösen Podcasts. Gehört diese Art der Auseinandersetzung nicht zu unserer Medienwelt?!
Fordert das Leben nicht hin und wieder eine klare Position?! Wir entscheiden uns für eine Beziehung, für einen Job, für eine Religion… Es braucht schlichtweg manchmal ein klares „ja“ oder „nein“ zu einer Sache!
Richtig erscheint mir die Argumentation, dass die Rolle als Vermittler:in nicht mehr zur Verfügung steht, wenn man sich selbst einer Seite klar zuordnet. Allerdings auch hier: hin und wieder braucht es auch eine klare Position im Leben.
Im Weiteren gehen Precht und Welzer auf die vermeintliche Unabhängigkeit der Medien ein. Hier stehen sich wirtschaftliche Interessen mit der sachliche Berichtserstattung und wiederum der Kontrollfunktion gegenüber. Nicht immer sind alle drei Punkte mit gleicher Intensität verfolgbar und laut den Autoren überwiegt im Zweifel immer das Umsatzwunsch vor allem anderen. Was sich nicht für den Verkauf eignet, wird nicht erwähnt. Damit erzeugen und steuern die Medien eine „Blindheit“ der Gesellschaft.
Ich kann das nur bedingt nachvollziehen. Richtig ist, dass jedes Medium seinen Schwerpunkt hat, und so wissen wir, dass wir vom Spiegel ggf. einen anderen Fokus erwarten müssen als von der Süddeutschen Zeitung. Die Frage ist also, wie wir uns aufstellen können, um mit unterschiedlichen Brillen auf ein Ereignis sehen zu können, um dann unsere individuelle Meinung bilden zu können. Dies erfordert meiner Meinung nach viel Zeit, aber möglich ist es. Wir müssen einen kompetenten Umgang mit den Medien lernen.
Dann hüpfen beiden zu einer weiteren These: Derzeit sinkt das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Regierenden und damit sinkt das Systemvertrauen, womit wiederum die Zustimmung zur bestehenden Staatlichkeit sinkt.
Diese Ansicht wird von Precht und Welzer mit den sinkenden Kirchenmitgliederzahlen belegt. Aha… der Zusammenhang ist nach meiner Ansicht schlichtweg nicht existent. Die Autoren nutzen hier alle (abwegigen) Konstrukte, um ihre Theorien zu untermauern. Sinnfrei Argumentation auf sehr vielen Seiten…
Von diesem dünnen Eis gelangen die Autoren zu einem durchaus wichtigen Punkt: bei der medialen Aufbereitung der „Flüchtlingskrise“ haben insbesondere Politiker:innen überproportional viel Raum in den Leitmedien. So fokussieren 66% der Berichte auf die Politik, 9% auf die Judikative und nur 4% der Artikel geben den Betroffenen eine Stimme. Damit bezeichnen Precht und Welzer die Leitmedien zu Recht als NICHT integrativ und NICHT inklusiv.
Weiter geht es mit der „Indexing-Hypothese“: zwischen Journalist:innen und Politiker:innen gibt es eine grundsätzliche Übereinstimmung der Ansichten. Damit fehlt grundlegende Kritik der Leitmedien an dem politischen Agieren. Im weiteren wiedersprechen Precht und Welzer ihrer „Indexing-Hypothese“ und beanstanden, dass Journalist:innen zu stark Politiker:innen angreifen.
Also gibt es doch eine kritische Auseinandersetzung zwischen Journalist:innen und Politiker:innen? Es scheint, als hätten die Autoren wild lose Meinungen in diesem Buch zusammengeschoben. Aber gut, lass uns schauen, wie es mit dem Buch weitergeht…
Die Herren mokieren sich im weiteren Verlauf darüber, dass in diesen Tagen viel Feedback möglich ist mit den Worten „jeder Trottel darf alles beurteilen“. Moment – wir wollen integrativ und inklusiv sein, aber die „Trottel“ dürfen nicht mitmachen? Ein weiterer Tiefpunkt in diesem „Werk“… Feedbackkultur, Verbesserungsprozesse und Kundenzentrierung scheinen nicht in der Lebenswelt von Precht und Welzer vorzukommen. Schade.
Darauffolgend knüpfen sich die Autoren die App Twitter vor und die Art, wie Leitmedien versuchen, sich da einzuklinken. Die Aussage: Je mehr die Leitmedien sich Twitter bedienen, umso mehr schwindet das Vertrauen in sie.
Ganz ehrlich: Twitter findet in meinem Leben überhaupt nicht statt. Die Storyline, dass durch die Nutzung von Twitter das komplette Vertrauen in die Medien erschüttert wird, zeigt einfach, wie sehr Precht und Welzer sich in ihrer ganz eigenen Bubble befinden und diese zur Realität der Gesellschaft erkläre. In meinem Leben informiere ich mich viel über Podcasts. Hier finden wir gute und differenzierte Ausarbeitung von aktuellen Geschehen. Wir können tief in eine Thematik abtauchen und diese von vielen Seiten her betrachten. Was wollen die Jungs mit Twitter?
Alles in allem erscheint mir das Buch als viel zu lang geratener Kommentar auf der letzten Seite. Braucht niemand. Wenn Du „so politische Sachen“ magst, höre Dir einen guten Podcast an… 😉
Liebe Grüße, Deine Romy
Anbei meine Podcast-Empfehlungen für Dich:
„Das Politikteil“
„Feminismus mit Vorsatz“
„Eine Stunde History -Deutschlandfunk Nova“
„Notaufnahme – der Podcast von Ärzten ohne Grenzen“
wir haben lange nichts mehr voneinander gehört. Sei Dir sicher: mir geht es gut und es liegen immer noch überall Bücher in meiner Wohnung. Wir lesen also auch weiterhin voneinander…
„Individuation“ von Christina Bernd trägt den Untertitel „Wie wir werden, wer wir sein wollen“. Große Worte! Lass uns sehen, ob Bernd hierzu eine zielführende Anleitung geben kann.
Zuerst legt die Autorin dar, dass unser Selbst sich verändert und gestaltbar ist. Tatsächlich ändern sich durch epigenetische Prozesse unser Gehirn und unsere Gene. Es entstehen neue Zellen, es entstehen neue Verknüpfungen. Die Aussage „So bin ich halt!“ hat damit keine Basis mehr. Die stärksten Neukonstruktionen unseres Selbst gibt es in der Pubertät, mit 40 Jahren sowie mit 60 Jahren und noch mal mit 75 Jahren. Wir sind also zu keinem Zeitpunkt „fertig“, sondern passen uns immer wieder an unsere Umwelt an. Beste Voraussetzungen für uns, endlich der Mensch zu werden, der wir schon immer werden wollten!
Also, wie ändern wir uns, unser Selbst, unser Wesen, unsere Persönlichkeit? Die entscheidende Handlungsanweisung kommt gleich. Zuerst wird die Fragen beantwortet, wo die Änderung stattfindet. Lösung: außerhalb unserer Komfortzone. Aha…
Okay, hier jetzt final: wie werde ich die Person, die ich sein möchte? Antwort: Fake it, till you make it! Tu so, als hättest Du schon die Persönlichkeitsmerkmale, die Du haben möchtest! Wünsche Dir eine bestimmte Eigenschaft und dann handle so, als wäre sie schon die Deine!
Naja, dass lässt mich jetzt doch unzufrieden zurück. Dieses Vorgehen erscheint mir nur auf dem Papier gut anwendbar…
Ich bin nicht gut in detailorientierten Arbeiten. Aber klar, ich habe mich schon sehr oft an Excel-Tabellen gesetzt und mit hoher Sorgfältigkeit Zahlen bearbeitet. Bin ich dadurch ein gewissenhafter Mensch geworden? Nein. (Aber schlechte Laune habe ich bekommen.) Weiterhin bin ich mit einem hohen Maß mit Ungeduld gesegnet. Gerade mit Kindern kommt man damit an die eigenen Grenzen. Und gecoacht vom Nachwuchs habe ich in unterschiedlichsten Situationen sehr ruhig und zurückhaltend agiert. Mich jetzt als geduldigen Menschen zu beschreiben, wäre jedoch gelogen.
Daher kann ich den ultimativen Ansatz von Berndt, wie wir unser Selbst ändern, nicht bestätigen. Schade.
Alles in allem: nettes Buch, was keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
In diesem Sinn: „Sei Du selbst. Alle anderen sind schon vergeben!“ (O. Wilde) Deine Romy
ich habe mich schon so lange nicht mehr bei Dir gemeldet! Die Gründung von meinem Unternehmen fordert Zeit und Energie, Dinge bleiben liegen… Aber am Wochenende hatte ich endlich die Möglichkeit, dass Buch „Die 1%-Methode“ von James Clear zu Ende zu lesen!
Sicherlich hast Du von dem Buch gehört, es rangiert auf den Bestseller-Listen ganz oben. Das muss nicht bedeuten, dass das Werk gut ist. In diesem Fall ist das Ranking auf jeden Fall gerechtfertigt.
Die 1%-Methode ist schnell erklärt: versuche Dein Leben nicht mit einem großen Wurf zu ändern, sondern integriere kleine Schritte in Dein Leben, welche Du kontinuierlich gehst und damit größere Erfolge erzielst als in einer ad hoc-Aktion.
Als Veranschaulichung des Ansatzes nutzt Clear ein Flugzeug, welches beim Start nur wenige Zentimeter von seiner Route abweicht. Durch das Beibehalten dieser Abweichung kommt es jedoch in New York statt in Washington D.C. an.
Interessante These hierzu: nicht das Ziel hat Einfluss auf das Ergebnis, sondern das System, mit dem wir vorgehen, ist entscheidend. Dieser Ansatz lässt mich wieder lächelnd an die Exceltabellen zurückdenken, in denen kleinstteilig Ziele der Mitarbeiter aufgeschrieben wurden (siehe meine Artikel „Frau Kopsch, Ihre Ziele sind immer noch nicht SMART genug!“). -> Ziele können nur die Richtung vorgeben, sie sind nicht für die Qualität der Ergebnisse verantwortlich.
Die Argumentation von Clear hinter seiner Ablehnung von Zielen als Heilsbringer:
Gewinner und Verlierer haben die gleichen Ziele, das System ist für den Sieg ausschlaggebend.
Das Erreichen der Ziele ist nur eine vorübergehende Veränderung. Wenn wir nicht das System verändern, falls wir nach der Zielerreichung wieder zurück.
Daher ist der Start, wenn wir Veränderungen in unserem Leben bringen wollen, nicht die Frage „Welches Ergebnis will ich erzielen?“, sondern vielmehr „Welcher Mensch will ich sein?“. Wir müssen uns fördernde Gewohnheiten zulegen und nachteilige Gewohnheiten ablegen. Ha – wenn das so einfach wäre!
Clear stellt in seinem Buch vier Gesetze auf, mit denen wir gewünschte Gewohnheiten derart gestalten, dass wir sie auch tatsächlich in unser Leben integrieren und beibehalten können.
Gesetz: Die Gewohnheit muss offensichtlich sein. -> Die neue Gewohnheit muss Dir tatsächlich ins Auge springen. Du richtest Dich so ein, dass es immer wieder zu Impulsen kommt, die richtige Aktion auszuführen.
Gesetz: Die Gewohnheit muss attraktiv sein. -> Verbinde die gewünscht Aktivität mit einer angenehmen. Umgebe Dich mit Menschen, welche die von Dir gewünscht Aktion bereits umsetzen.
Gesetz: Die Gewohnheit muss einfach sein. -> Die Wiederholung ist der Schlüssel zum Erfolg, nicht die Perfektion.
Gesetz: Die Gewohnheit muss befriedigend sein. -> Gestalte Dein neues Verhalten so, dass es mit einer passenden Belohnung gekoppelt ist.
Tja, dass ist dann auch schon alles. Einfach umsetzen und – bähm – Du hast alles, was Du Dir schon immer gewünscht hast…!! So einfach ist es wahrscheinlich nicht. Für mich ist der Ansatz, Veränderungen in kleinen Schritten in mein Leben einzuladen, statt mein ganzes Sein umzuwerfen, auf jeden Fall zielführend!
Es haben sich in meinem Umfeld auch schon einige Menschen bei mir gemeldet, welche die 1%-Methode kennenzulernen wollen. A change is gonna come…
Manchmal brauche ich zum Frühstück leichte Kost. Dann benötige ich eine Auszeit vom aktuellen Welt- und Wirtschaftsgeschehen und mag auch keine tiefenpsychologischen Abhandlungen zu Persönlichkeitsstörungen lesen. In einem solchen Moment ist das Buch „Warum Perfektion sinnlos und an jedem Gerücht was dran ist“ eine gute Wahl. Es will nichts, es tut nicht weh, man kann es einfach „weglesen“ ohne wirklich ins Grübeln zu kommen.
Ist das jetzt ein klares Qualitätsmerkmal für ein Buch? Nun ja, für einen entspannten Frühlingstag können wir es durchgehen lassen.
Rettig arbeitet anhand von Untersuchungen, Experimenten und Statistiken 77 Aussagen raus, welche überraschend anmuten können. Sind sie allerdings nicht. Im Grunde ist alles bekannt. Für Dich hier ein paar Beispiele:
-> Erfolgreiche Menschen sind selten sie selbst Flexible Charaktere können unschöne Aspekte ihrer Persönliche besser kontrollieren und kaschieren.
-> Empathie wird überschätzt Zu viel Mitgefühl führt zu verzerrter Verarbeitung von Informationen und fehlender Ruhe in hektischen Situationen.
-> Erfolg macht einsam insbesondere in kollaborativen Teams werden Leistungsträger:innen gemobbt, wahrscheinlich um die Zusammenarbeit zu schützen
-> Achtsamkeitsübungen machen antriebslos Durch Meditation und Co. befinden wir uns derart im hier und jetzt, dass die Zukunft nicht relevant erscheint.
-> Lange Unternehmenszugehörigkeit macht unglücklich Wir benötigen Veränderung für unser Wohlbefinden, wobei auch ein Sabbatical statt einer Kündigung hilfreich ist.
Bringt Dich dieses Buch also ernsthaft weiter? Nein. Wenn Du statistische Auswertungen von Untersuchungen haben möchtest, dann lies lieber „Schnelles Denken, Langsames Denken“ von Kahneman (hier mein Artikel dazu). Superanstrengend, aber auch sehr gehaltvoll. Ich habe jetzt ein Buch zu psychischen Erkrankungen auf meinem Tisch liegen.